Sonntag, 30. Dezember 2012

Der Raum als Akustische Größe Teil 1

Ich glaube das keinen besseren Zeitpunkt gibt auf dieses Thema einzugehen als jetzt nach dem Umzug. Mit dem kontinuierlichen Aufbau des neuen Raumes und dem alten als Vergleich. Themen wie Raumsymmetrie, Standort der Lautsprecher zueinander, als auch zum Raum werden oft unterschätzt. Dabei wird eine Menge Potential der oft teuren Heimkinoausstattung verschenkt.

Direktschall und Diffusschall
Um zu verstehen um was es geht muss man sich zwei grundsätzliche Begriffe klar machen. Der Direktschall ist der Schall der uns  aus den Lautsprechern und direkt erreicht. Bei 343 m/sec sind das etwas über 1200 km/h. Ständen unsere Lautsprecher also auf freien Feld ohne räumliche Begrenzungen oder Umgebunggeräusche, hätten wir eine ideale Aufstellung für unsere Lautsprecher. Da das Leben aber nicht perfekt ist und wir in Räumen leben, haben wir auch den Diffusschall.
Dies heißt nun das unsre Ohren der Direktschall erreicht, sonder auch diverse reflektierte, veränderte und zeitlich versetzte, die das Originale Klangergebnis überlagern und verfälschen.
Schlimmer wird es dann, so wie es in meinem alten Raum, bei unsymmetrischer Aufstellung. Der rechte Kanal wird seitlich durch die Glasscheibe des Fensters stark reflektiert, während der linke weit in den Raum durch diverse Einrichtungsgegenstände gedämpft, gestreut und reflektiert wird. Auf diese Weise gewinnen beide Kanäle starke unterschiedliche Veränderungen. Dabei ist rechts durchaus mit 3dB Zugewinn zu rechnen. Dabei haben diese 3 dB nichts mit dem originalen Klangbild zu tun. Während der linke stärker gedämpft, gestreut und zeitlich verändert wird wird.
Noch interessanter wird es dann wenn ein sogenanter Kammfiltereffekt zum tragen kommt. Wird eine Signal durch Reflektionen und andere Raumeinflüsse in seiner Phasenlage verändert kann es nicht nur zu Überlagerungen kommen, sondern auch zu Teilauslöschung des Direktsignals.Was heißt das ein Signal zeitlich versetzt zum Orginalsignal am Hörplatz ankommt und ein Teil auslöscht.
Dies wird im so genannten Haas Effekt ( siehe hier ) beschrieben. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Das menschliche Ohr ist durchaus in der Lage zwischen Direkt- und Reflektionsschall zu unterscheiden. Allerdings nur innerhalb gewisser Grenzen. Sind die Unterschiede in Zeit und der Pegel zu gering, verschwimmen die Grenzen der Wahrnehmung. Das Klangbild wird schwammig, diffus oder sogar schlecht ortbar.

Was kann ich nun dagegen tun. Abgesehen von einer symmetrischen Aufstellung habe ich die Möglichkeit zwei Größen zu beeinflussen. Die Zeit und den Pegel des Diffusschalles. Und da Weg gleich Zeit ist, ist damit die die Veränderung der Positionen von Hörplatz und Lautsprecher gemeint um die Laufzeit zu verändern. Ist allerdings die ein Umpositionierung nicht möglich bleibt mir nur der Pegel. So muss ich mit Absorbern arbeiten mit denen ich den Diffuspegel dämpfen kann. Wie dieser aussehen muss ist von der Speziellen räumlichen Situation sowie der Art der Lautsprecher abhängig zu machen. Hier gilt einfachen  probieren, hören, probieren, hören. Wer ein hier natürlich ein Meßmicro ( siehe hier ) und die passende Software ( siehe hier ) und hat, kann den Prozess verkürzen. Aber letztendlich zählt das persönliche Empfinden.


Hier zu sehen sind die Maßnahmen die ich in meinem alten Raum getätigt habe.
Die Absorber hinter meinen Allium 45 ( siehe hier ) sind aus einer Basotect-Holzkonstruktion ( siehe hier ). Das Akustikbild besteht aus Glaßwollematten in einem Holzrahmen aus 3 Segmenten. Insgesamt 12 cm dick, teilweise komprimiert, teilweise nicht. Ein Baubericht folgt.
Die Folge der Maßnahmen ein klareres Frequenzbild mit unaufdringlichen und runderen Bass. Die unsymmetrische Aufstellung war damit logischerweise nicht zu kompensieren. Lediglich durch Herabsetzen des rechten Ausgangspegel ist da was zu machen. Aber nicht den Einfluss der Glasscheibe. Lediglich die Gardinen wirken im Hochtonbereich. Hier würden nur seitliche Absorber aus z.B. Basotect helfen.  Die übrigens auch bei einer symmetrischen Aufstellung zu Verbesserung von Ortsauflösung und Detailgenauigkeit beitragen.

Der bessere Weg diesen Effekt zu verringern ist es natürlich Lautsprecher- und Hörposition nicht zu nah an der Wand zu wählen.
Bei  Lautsprecher erzielt man mit 70 cm Wandabstand eigentlich schon gute Ergebnisse. Optimal ist allerdings 3/16 oder 5/16 der Raumlänge. Bezogen auf die Front der Lautsprecher. Auf diese Weise geht auch was Raummoden betrift bessere Wege, da man auf die räumliche Ausbreitung eingeht die sich speziell im Tieftonbereich zum tragen kommt. Seitlich sollten 70cm ebenfalls ein guten Ergebnis bringen. Bei der Sitzposition empfehle ich Probieren bis es angehnem ist. Dabei ist wichtig z.B. auch CD's zu wählen die von der Abmischung nicht unbedingt die besten sind. Spitz ( z.B.Dire Straits ) abgemischt, starker Bass ( z.B.Seed, Santana...). Einfach um die Grenzen zu testen.Oft sind es nur wenige Frequenzen die herausstechen und uns dazu veranlassen den Ton als unangenehm zu empfinden. Bei homogenen Frequenzbilder ist es oft erstaunlich welche Lautstärkepegel noch als angenehm empfunden werden. Aber das ist dann einer der Unterschiede was eine guter Raum und eine gute Anlage ausmachen.

Das heißt nicht das Musik unbedingt laut gehört werden muß, aber es zeugt von Qualität wenn man es kann.


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